Tränenwege
Erkrankung
Die Tränenwege sind feine Kanäle, die die Tränenflüssigkeit von der Tränendrüse über die Tränenpünktchen und den Tränensack in die Nase ableiten. Sind diese Wege verengt oder verschlossen, kann die Tränenflüssigkeit nicht richtig abfließen. Die Folge sind ständiges Tränenlaufen, Reizungen oder wiederkehrende Entzündungen. Tränenwegsstörungen können angeboren, altersbedingt, entzündlich, narbig oder nach Verletzungen oder Operationen entstehen. Auch eine chronische Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis) kann die Ursache sein.
Symptome
- Vermehrtes Tränenlaufen, einseitig oder beidseitig
- Brennende, gerötete oder gereizte Augen
- Verklebte Lider, besonders morgens
- Schwellung oder Druckschmerz im inneren Augenwinkel
- Wiederkehrende Entzündungen oder Abszesse im Tränenweg
- Verschwommenes Sehen durch ständiges Tränen
Diagnostik
- Spültest der Tränenwege: Mit feiner Kanüle wird sterile Flüssigkeit eingespritzt, um zu prüfen, ob der Abfluss frei oder blockiert ist.
- Tränenwegssondierung: Besonders bei Säuglingen oder unklaren Verläufen, um Engstellen zu ertasten.
- Bildgebende Darstellung (Dacryozystographie / Dacryoscintigraphie): Darstellung des gesamten Tränenabflusssystems, um Ort und Ausmaß einer Blockade zu erkennen.
- Ophthalmoskopische Untersuchung: Beurteilung der Lidränder, Tränenpünktchen und Augenoberfläche, um begleitende Erkrankungen zu erkennen.
Konservative Behandlung
Leichte oder vorübergehende Engstellen der Tränenwege können oft ohne Operation behandelt werden. Dazu gehören Spülungen und Erweiterungen der Tränenwege, eine medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden oder abschwellenden Augentropfen sowie Wärmeauflagen und Massagen, wie beispielsweise die Crigler-Massage bei Säuglingen. Auch eine sorgfältige Hygiene und Lidpflege helfen, Entzündungen vorzubeugen. Diese Maßnahmen verbessern den Tränenabfluss häufig schon nach kurzer Zeit.
Bei anhaltenden oder vollständigen Verschlüssen der Tränenwege ist eine operative Behandlung notwendig, um den natürlichen Abfluss wiederherzustellen.
Schützen Sie Ihr Sehvermögen frühzeitig
Viele Augenerkrankungen entwickeln sich schleichend und bleiben zunächst unbemerkt – regelmäßige Vorsorge erkennt Veränderungen rechtzeitig und bewahrt Ihre Sehkraft langfristig.
Operative Behandlung
Tränenwegserweiterung mit Silikon-Stent
In vielen Fällen kann durch eine Sondierung und Einlage eines feinen Silikonschlauchs (Stent) der Tränenweg wieder eröffnet und offengehalten werden. Der Stent bleibt in der Regel mehrere Wochen bis Monate im Tränenweg und wird dann schmerzfrei entfernt.
Diese Methode ist minimalinvasiv und besonders geeignet bei teilweisen Verengungen oder wiederkehrenden Entzündungen.
Tränenwegsoperation (Dacryozystorhinostomie – DCR)
Wenn der Tränensack dauerhaft verschlossen ist, wird ein neuer Abflusskanal zwischen Tränensack und Nasenhöhle geschaffen. Dies kann mikrochirurgisch von außen über einen kleinen Hautschnitt oder endoskopisch über die Nase erfolgen. Auch hier kann ein Silikon-Stent eingesetzt werden, um den neu geschaffenen Kanal während der Heilungsphase offen zu halten.
Diese Eingriffe sind sicher, schonend und nachhaltig wirksam. Sie werden unter örtlicher Betäubung oder in Dämmerschlaf/Narkose durchgeführt – meist ambulant.